Crossmedia! Es schreit dem Leser geradezu auf jeder Seite des “Universalcode” ins Gesicht, und das mit Recht: Viele Branchen haben sich in den letzten Jahren durch den digitalen Wandel neu orientieren müssen, so auch der Journalismus.
Schnell machen die Autoren im “Universalcode” klar, dass nicht jedes Werkzeug um seiner Existenz Willen eingesetzt werden soll – das macht Richard Gutjahr im exzellenten Ausblick des Buches sehr deutlich. Denn auch für Mediendienste gilt es, eine Strategie aufzusetzen und zu beurteilen, welcher Kanal im Web dem eigenen Zweck am meisten dienlich ist. Entsprechend schildert das Buch, welche Möglichkeiten die verschiedenen Contentgattungen in der digitalen Welt haben. Dazu kommen auch sehr konkrete Handlungsempfehlungen: Stefan Plöchingers Kapitel über Nachrichtensites ist sehr lesenswert.
Ausführlich wird’s auch beim Radio: Daniel Fiene und Dennis Horn zeigen neben den Strategieoptionen auch konkrete Links und Tools auf – vielleicht zu ausführlich, denn gerade die Werkzeuge im Web entwickeln sich ständig weiter. Gleich zwei Kapitel nimmt der Bewegtbild-Bereich ein: Dr. Gerhard Rettenegger widmet sich handwerklichen Dingen, und das sehr gründlich. Sowohl technische als auch organisatorische und inhaltliche Aspekte werden hier anschaulich dargestellt – man begreift schnell, dass Videojournalismus vielseitig und anspruchsvoll ist. Markus Hündgen geht dagegen stark auf Konzepte in der Webvideo-Welt ein. Über die geringe Rolle des “Leitmediums Fernsehen” in diesen Kapiteln machen beide Autoren keinen Hehl: Webvideo wird sich als eigenständige Form etablieren, die weit mehr als ein weiterer Vertriebskanal für klassische Fernsehbeiträge sein wird.
Aber auch weitere Grundlagen werden gründlich thematisiert: Marcus Böschs Kapitel über Mobile Reporting sowie Marcus Lindemanns Beitrag über Recherche off- und online sind so deutlich dargestellt, dass man sich am Ende nur verwundert fragt, warum viele Journalisten sich mit den aktuellen technischen und kommunikativen Möglichkeiten – gerade auf lokaler Ebene – offenbar so schwer tun. Gerade auf den letzten Aspekt zielen die Kapitel von Christian Jakubetz und Christian Lindner ab. Dabei gibt es hier – als Beispiel sei FuPa.net genannt – schon erste Portale, die mit Crowdsourcing gute Erfahrungen machen.
Kapitel zum Datenjournalismus, Unternehmerjournalismus und Vermarktungsstrategien in Social Media sind ebenfalls im Buch vorhanden. Das Werk zeigt somit eindrucksvoll, dass es alle zeitgemäße Spielarten gründlich abdeckt.
Wenn es einen Kritikpunkt gibt, dann höchstens, dass der Aspekt des Empfängers oft nur angedeutet, selten ausformuliert wird. Die Wahl des Kanals hängt auch stark davon ab, wo und wie der Konsument an diese Inhalte gelangt. Dies ist zwar prinzipiell das Problem des jeweiligen Medienhauses, eine entsprechende mobile Strategie bedeutet aber auch für den Contentschaffenden, einige Besonderheiten zu berücksichtigen.
Revolution? Nein, das ist dieses Buch nicht. Es sagt vielmehr, nein, es fordert die Journalisten auf, in der Wahl ihrer Werkzeuge und Kanäle ebenso neugierig zu sein wie bei der Recherche für ein heißes Thema. Der “Universalcode” zeigt dem Journalisten alle Möglichkeiten, Themen mit modernen Mitteln zu platzieren. Alleine deswegen darf es in keiner Redaktion und in keiner Journalistenschule fehlen – und eigentlich auch nicht auf dem Schreibtisch der Berufsgruppen, die wissen wollen, wie sie ihre Inhalte im Netz zur Zielgruppe bringen.
Das Rezensionsexemplar wurde freundlicherweise von Euryclia zur Verfügung gestellt.
Christian Jakubetz, Ulrike Langer, Ralf Hohlfeld: “Universalcode. Journalismus im digitalen Zeitalter.” Euryclia: München 2011, ca. 500 Seiten, 27,90 Euro.
Weitere Rezensionen im Netz:
Jörg Eschenfelder, “‘Universalcode’ macht den Blick frei” auf www.jes-media.com
Natascha Tschernoster, “Der Universalcode für Journalisten” auf www.medien-monitor.com
Gunnar Jans, “Lebt den Universalcode” auf breisacher.posterous.com

Neue Kommentare